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Kinderleicht –  Blogger

10.08.2018

Über die authentische Elternpersönlichkeit und das Grenzen setzen

away-1423263_1920.jpgFast jeden Tag können wir durch verschiedene Medien erfahren, dass Kinder Grenzen brauchen. Kinderärzte schreiben darüber, in vielen Elternzeitschriften wird suggeriert, Kindern müssen Grenzen spüren und aufgezeigt bekommen, um sich gut entwickelt zu können. Um zu Menschen zu werden, die sich gut in die Gesellschaft integrieren können.
Dadurch entstehen Ängste. Ich muss meinem Kind Grenzen setzen, sonst tanzt es mir mal auf der Nase herum.

Es entsteht die Angst die Kontrolle zu verlieren.
Spätestens dann, wenn ein Kind sich nicht so verhält, wie die Gesellschaft es sich wünscht, dann müssen Grenzen gesetzt werden. Diese Annahme zielt darauf ab, dass das Kind selbst und die Eltern keine persönlichen Grenzen haben. Das stimmt aber nicht.
Denn…

Was sind denn eigentlich Grenzen?
Grenzen hat jeder Mensch und wir spüren täglich unsere Grenzen und die Grenzen anderer. Das Leben alleine zeigt einem schon Grenzen auf. Wenn ich meinen Kindern zum Beispiel sage, dass ich dieses Spielzeug gerade nicht kaufen kann (weil z.B. dass Budget dafür fehlt) oder wir jetzt kein Eis essen gehen, sind das Grenzen.  Grenzen, die ich nicht willkürlich setze, sondern weil die Situation gerade eben so ist oder ich mich dazu entschieden habe (aus Gründen die mir wichtig sind). Das sind reale Grenzen. Grenzen- die das Leben mit sich bringt. Und es gibt diese Grenzen, von denen gemeint wird, wir müssten sie setzen, damit unsere Kinder lernen mit Frust umzugehen oder zu spüren, dass „man nicht alles haben kann“.
Meine Kinder sind frustriert, wenn ich Ihnen sage, dass wir das Spielzeug nicht kaufen oder wir jetzt gerade kein Eis essen gehen. Ich bin als Erwachsener Mensch manchmal auch frustriert, wenn ich Grenzen spüre. Ich brauche demnach keine künstlichen Grenzen willkürlich setzen, damit mein Kind sich gut entwickelt. Kinder machen mit realen Grenzen bereits unterschiedliche Gefühlserfahrungen, die von uns Erwachsenen begleitet werden dürfen. Hier haben wir die Möglichkeit emphatisch zu reagieren und die Gefühlswelt unserer Kinder kennen zulernen.

Authentische Elternpersönlichkeit
Es geht also nicht darum, künstliche Grenzen willkürlich zu setzen sonder darum, dass wir Eltern uns in unserer Persönlichkeit-mit unseren eigenen Grenzen-zeigen. Wir verstecken uns nicht mehr hinter dem „man“, sondern zeigen uns in unserer gesamten Persönlichkeit. Das ist erstmal ungewohnt, weil wir uns selbst hinterfragen müssen. Wir müssen unsere eigenen Grenzen und Bedürfnisse kennen (lernen), um sie unseren Kindern transparent zu machen. Ich muss demnach wissen wo meine Grenzen liegen, was ich möchte und was ich nicht möchte. Und manchmal auch lernen NEIN zu sagen, wenn ich nein meine und JA wenn ich Ja meine (was gar nicht so einfach ist). Kinder erleben so ein authentisches Gegenüber und haben so die Möglichkeit soziale Kompetenzen zu entwickeln. Kinder brauchen Eltern, die sich zeigen, die präsent sind und ihnen mitteilen, was sie denken und fühlen.

Eigene und die Grenzen anderer wahren
Das was die Mehrheit oft mit Grenzen aufzeigen meint, ist die Ausnutzung von elterlicher Macht. Kinder müssen lernen, dass sie nicht alle Wünsche erfüllt bekommen. Eine mühsame Art und Weise, Kinder zu sozialisieren, damit sie uns nicht auf der Nase herum tanzen. Das ist quatsch und das das muss nicht sein. Kinder brauchen Orientierung und Positionierung durch uns als Eltern. Machtkämpfe braucht niemand.
Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, dass unsere Kinder auch Grenzen haben, die es gilt zu wahren. Wenn Kinder uns in Gesprächen z.B. unterbrechen, machen sie das nicht, weil sie uns ärgern wollen, sondern weil sie vielleicht nicht mehr abwarten können, uns von ihren Erlebnissen und Gedanken zu erzählen. „Erwachsene unterbricht man nicht, das hab ich Dir doch schon 100x gesagt“ oder dem Kind zu sagen es soll jetzt leise sein, ist wenig wertschätzend. Ich stelle mir hier gerne die Frage, wie ich in solchen Situationen zum Beispiel bei Erwachsenen reagieren würde? Würde ich zu einem Erwachsenen sagen, er soll bitte leise sein? Eher nicht. Was würde ich stattdessen tun? Wahrscheinlich zuhören oder ihn ins Gespräch miteinbeziehen. Wenn ich möchte, dass meine Kinder meine Grenzen wahren, ist das beste Übungsfeld hierfür, dass ich ihre wahre.

Nina - 21:50 @ Authentische Elternpersönlichkeit und Grenzen | Kommentar hinzufügen

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